#19 TuS Langenheide – SV Gadderbaum 0:6

Die Sonne bemühte sich nach Kräften, aus einem strahlenden, wolkenlosen Himmel ihre wärmenden Gesandten auf den Langenheider Fußballplatz zu entsenden um den geneigten Freunden des Bielefelder Kreisligafußballs eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, doch Ariel (der Luftgeist, nicht das Waschmittel) und seine Kollegen konterkarierten ihr (der Sonne ihr) Bemühen durch immensen Tatendrang. Will sagen, trotz ungetrübten Sonnenscheins sorgte der strenge und eisige Ostwind für Eiseskälte und es war definitiv kälter, als es aussah. Das wiederum sah auch mein Kaffe so, der innerhalb von Sekunden seinen Aggregatszustand von flüssig zu fest zu wechseln versuchte (btw: ich hab aus Versehen die Tasse mitgenommen, wenn wir tatsächlich wieder nicht aufsteigen, bring ich sie nächste Saison wieder mit, Ehrenwort). Zwecks Erfrierungsvermeidung galt es also die eigene Aufmerksamkeit vom Wind abzuwenden und vollständig auf das Geschehen auf dem grünen Rasen zu konzentrieren.
À pro pos grüner Rasen, zu dem in Langenheide fallen mir auf anhieb einige Anekdoten ein (eines von Roberts ersten Spielen als Innenverteidiger, neben Säge, noch unter Herberger, in dem sich der Ball nach nahezu jedem einzelnem Ballkontakt Roberts meterweit auf dem angrenzenden Acker wiederfand; ein (zugegebenermaßen windunterstütztes) 50m-Freistoßtor von Erdinc; der vielleicht netteste Torjubel eines Zuschauers meiner gesamten Groundhopper-Karriere), deren ausführliche Schilderung ich an dieser Stelle platzsparenderweise unterlasse, und zu seiner Beschaffenheit habe ich mich bisweilen auch schon geäußert. Ich komme an dieser Stelle nicht umhin, bezüglich dieser Thematik der Sammlung einen weiteren Eintrag hinzuzufügen, denn neuerdings (also für mich neuerdings, war seit dem Gastspiel in der letzten Saison nicht mehr dort gewesen) erstrahlt besagtes Geläuf wetterunabhängig jederzeit in saftigem Grün und lässt die charakteristischen erdbraunen Flecken vermissen. Ein weiterer Kunstrasenplatz, austauschbar und die atmosphärischen Impressionen, die man als Kreisliga-Sympathisant auf Auswärtsfahrten so machen kann, nivellierend (ich, der nie in die Bredouille kam und kommen wird, auf den zahlreichen, als Fußballfeld deklarierten Äckern der Kreisliga-Landgruppe dem runden (nicht mehr) Leder zu einem Bewegungsmuster zu verhelfen, welches dem eines Fußballspiels ähnelt, erfreue mich stets an den jeweiligen Eigenheiten besagter Plätze (ohne die Bespielbarkeit in meine Beurteilung mit einbeziehen zu müssen) und habe ob der zahlreichen, variierenden Ausprägungen der Spielflächen (Ascheplätze mit einwachsendem Rasen (Bollbrinker bspw.), Rasenplätze mit lediglich partiellem (und äußerst leidlichem) Grasbewuchs (zahlreiche Nachweise), Mischformen mit Ascheboden innen und Rasen auf den Flanken (der Platz von Eintracht) und viele andere Variationen mehr) einen (zumindest ästhetischen) Mehrwert, der verlorengehen wird, wenn in Zukunft alle Felder mit einfarbigem Kunstrasen überzogen sein werden), der dafür aber stets gut bespielbar und selbst zu keiner Zeit durch seine Beschaffenheit auf das auf ihm stattfindende Spiel Einfluss zu nehmen in der Lage ist (was die Chance auf ästhetischen Gewinn bei Betrachten eines Spiels deutlich erhöht). Kurz: ein optisch reizarmes Geläuf, auf dem jedoch gepflegtes Gebolze (grundsätzlich) möglich ist.
Den Beweis dieser These führten am vergangenen Sonntag die Dreesgen-Dribbler vom SV Gadderbaum, indem sie den Zuschauern besagtes (zumindest überwiegend) gepflegtes Gebolze präsentierten (wobei die Gadderbäumlinge sich zwecks dreifachem Punktgewinns um “guten” Fußball bemühten, während sie der Beweis der Bespielbarkeit des Geläufs, den sie nebenbei gleich mitlieferten, maximal peripher tangierte. Wenn er ihnen nicht gar (und davon ist auszugehen) vollkommen Wumpe war).
Der SVG trat mit der Elf an, die sich in meinen (unbeendeten und deshalb noch unveröffentlichten) Hinrundenbetrachtungen als Stammformation herauskristallisiert hatte (mitAusnahme der Stürmerposition vielleicht), d.h. mit Sven im Tor, Max und Dennis in der Innenverteidigung und Henning (links) und Serkan (rechts) auf den Ausßenpositionen der Vierekette. Im 5er Mittelfeld agierten Simon und Luschi als Doppel-Sechs, Holle und Adnan besetzten die Flügel (Festlegungen bei den beiden auf die rechte oder linke Flanke unterlasse ich, da beide auch schon mal die Seiten wechseln. Nach welchem System hab ich noch nicht raus) und Flip gab den Zentral-Offensiven (wie bereits mal angedeutet ein 10er mit Tendenz zur 9 1/2). Soweit entspricht das exakt jener Aufstellung, die sich bei Betrachtung sämtlicher Hinrunden-Startformationen ergibt (was mich zu der kühnen Behauptung veranlasst, dies sei die Stammformation), lediglich in der Sturmspitze hätte der geneigte Hinrundenanalyst Clemens erwartet, der geneigte Sympathisant konnte aber durch die Aufstellung von Tom an Clemens’ Stelle (der ohnehin abwesend war) keinerlei Qualitätsverlust ausmachen.
Das Gepflegte im Gebolze hatte zunächst noch so seine Schwierigkeiten, sich durchzusetzen, die Anfangsphase holperte noch ein wenig dahin, zudem gestattete der SVG dem Gastgeber TuS Langenheide die erste Sechzehner-Situation (ohne dass sich daraus jedoch eine zwingende Torchance ergeben hätte). In den ersten Minuten der Partie bemüte sich der SVG, kleinere Unstimmigkeiten in der Abstimmung (die sich möglicherweise durch die Spielabstinenz der vergangenen Wochen (Winterpause) ergeben hatten) zu korrigieren, der aufmerksame Beobachter konnte vergleichsweise viel, sehr konstruktive Kommunikation unter den Gadderbäumlingen registrieren, mit Hilfe derer innerhalb einer knappen Viertelstunde (so in etwa) die Organisation auf dem Platz optimiert wurde und die endgültige Feldaufteilung im Sinne der Aufgabenstellung justiert wurde (sprich: kontrahentensensitive Positionsoptimierung; die Aufteilung finden, mit der dem Gegner am effizientesten begegnet werden kann). Nach dieser Anfangsviertelstunde dominierte der Gast den Ball und damit das Spielgeschehen und begann konstruktiv Kombinationen zu kreieren. Fehlte diesen zunächst noch die richtige Fluidität und die notwendige Präzision, gelangen sie nach und nach immer besser. Exemplarische für diese Progression des Passspiels seien an dieser Stelle mal flugs Holles feine Füßchen verwendet (keine Sorge, du bekommst sie danach wieder). Fiel das 1:0 nach circa 25 Minuten durch das Gerstenkaltschalengewächs noch nach einer vergleichsweise simplen (deswegen aber keinesfalls schlechten) Standardkombination  von Seite eins des Playbooks (Ball vom IV (oder 6er? weiß ich nicht mehr so genau, kommt aber auf’s Selbe raus) auf die entgegenkommende (Halb-)Außenposition (in dem Falle Holle), welche das Leder in die zentrale Mittelfeldposition (Flip) tropfen lässt), bei der Holles Fuß “nur” Bande spielen musste und die für den Torerfolg noch auf die Einzleleistung des Schützen angewiesen war, waren die Spielzüge in der zweiten Hälfte über den linken Flügel ‘ne ganze Ecke versierter, Holles Pässe von feiner Präzision und termingerechtem Timing und die Kombinationen derart gut gespielt, dass der tatsächliche Torabschluss keines besonderen Aufwands mehr bedurfte, der Torerfolg Formsache wurde und quasi zwangsläufig aus dem Spielzug folgte (sprich: so gut kombiniert, dass der letzte, torbringende Kontakt nicht mehr bedurfte, als dem Ball eine Bande zu bieten). Man erinnere sich an die beiden Treffer von Tom zum (ich glaube) vier und fünf zu null. Sehr hübsch anzusehen (ästhetischer Mehrwert und so).
Die Konzentration der Berichterstattung auf die linke Seite ist der Stehposition des Autors geschuldet und soll keine Wertung gegenüber dem rechten Flügel oder dem Zentrum implizieren, sondern hat mir nur als Beispiel gedient. Ähnliches wird sich auch auf Adnans Seite zugetragen haben.
So marum marum kamen auf diese oder ähnliche Weise eine handvoll Treffer zusammen, ohne das die Gadderbaumer Defensive ernsthaft in Bedrängnis geraten wäre, so das für den Trainer Zeit und Gelgenheit bestand, eine weitere Ausrichtung zu testen. Tom, Flip und Serkan verliessen das Feld und wurden durch Musti, Sinan und Robin ersetzt. Dem aufmerksamen Leser und Kenner der Gadderbäumlinge fällt augenblicklich auf, das damit neben den zwei Offensivpositionen zwar auch ein Außenverteidiger aus-, jedoch nur Offensivspieler eingewechselt worden sind. Trotzdem rückte keiner aus dem Mittelfeld nach hinten, in der Folge agierten die Dreesgen-Dribbler in einem 3-5-2-System mit Sinan auf der 10 und Robin und Musti im Sturm. (Interessant zu beobachten, allerdings bin ich mir nicht sicher, inwieweit die in den letzten (ich glaub es waren) zwanzig Minuten gewonnen Erkenntnisse belastbar und aufschlussreich sind, denn der Gegner aus Langenheide war (ohne ihnen zu Nahe treten zu wollen) zu diesem Zeitpunkt bereits (längst) geschlagen. Man kann aber auch spekulieren, dass man sich auf der Gadderbaumer Bank ob der Wirksamkeit des 3-5-2 noch nicht sicher ist. Dann wäre es grob fahrlässig, diese Formation unter Normalbedingungen zu testen, und man muss sinvollerweise mit den nicht ganz so zahlreichen Erkenntnissen aus einem Test unter erleichterten Bedingungen vorlieb nehmen.)
Letztlich stand beim Abpfiff ein 6:0-Auswärtsieg (Torschützen: dreimal Philipp, zweimal Tom und einmal Robin, in genau der Reihenfolge) auf dem Spielberichtsbogen und der Autor bemühte sich nach Kräften wieder Gefühl in seine erfrorenen Finger zu bekommen. Mal abgesehen vom eisigen Wind, ein gelungener Auftakt in die Rückserie, vor allem weil die beiden ärgsten Verfolger beide nicht dreifach punkten konnte. Nu aber hurtig weiter in den nächsten Artikel, das nachgeholte Spiel gegen Quelle hat gestern abend stattgefunden (und Sonntag steht schon die nächste Partie an).

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